Unterhalt: Ja oder nein. Und wenn ja, wie viel? Diese Fragen stellen sich fast alle, die vor einer Trennung oder Scheidung stehen. Insbesondere wenn ein Ehepaar Kinder hat oder eine Seite während der Ehe weniger oder gar nicht erwerbstätig war. Entgegen der landläufigen Meinung gibt es bei Alimenten allerdings keine allgemein gültigen Ansätze.

Es ist eine der häufigsten Fragen, die Betroffene in der kostenlosen Erstberatung der Scheidungsagentur stellen: „Wie viel Unterhalt kriege ich?“ Respektive: „Wie viel Unterhalt muss ich bezahlen?“ So ganz einfach ist die Frage allerdings nicht zu beantworten. Denn: Das Gesetz kennt weder fixe Tarife oder Tabellen noch feste obere/ untere Grenzen. „Die Höhe des Unterhalts ist immer von der persönlichen Situation abhängig“, erklärt Rouven Brigger, Rechtsanwalt der Kanzlei Gilomen & Brigger Rechtsanwälte,  die Partnerin der Scheidungsagentur ist. Für eine seriöse, gerichtsübliche Unterhaltsberechnung brauche es deshalb detaillierte Kenntnisse der aktuellen Rechtsprechung.

Ab der Trennung ein Thema

Die Frage nach der Höhe des allfälligen Unterhalts stellt sich nicht erst bei der Scheidung, sondern sobald sich ein Paar trennt. Zieht eine Seite aus, ist es wichtig zu regeln, wer beispielsweise die Kosten für die Kinder übernimmt/ wie sie unter den Eltern aufgeteilt werden. Was bei der Trennung vereinbart wird, ist von entscheidender Bedeutung und kann Einfluss auf die definitive Unterhaltsregelung bei der späteren Scheidung haben.

Wichtig beim Thema Unterhalt ist in einem ersten Schritt die Aufteilung zwischen Kinderalimenten und Alimenten für den (Ex-)Ehepartner.

Grundsätzlich muss jener Elternteil, bei dem die Kinder nicht leben, dem anderen Kindesunterhalt zahlen. „Dies gilt unabhängig davon, ob Sie das gemeinsame Sorgerecht haben oder nicht“,  betont Scheidungsexperte Rouven Brigger. Bei der Berechnung des Kindesunterhalts spielen sehr viele Faktoren eine Rolle. Eine gesetzlich fixe Vorgabe gibt es nicht. In jedem Kanton werden zudem andere Berechnungsmethoden verwendet. Viele Gerichte gehen vom konkreten Unterhaltsbedarf des Kindes und den finanziellen Möglichkeiten der Eltern aus. Im Kanton Zürich beispielsweise geht man bei einem Einzelkind zwischen 1 bis 6 Jahren von einem durchschnittlichen Unterhaltsbedarf von 2025 Franken pro Monat aus. Andere Gerichte (beispielsweise im Kanton Bern) gehen bei der Berechnung der Alimente von den finanziellen Mitteln des Unterhaltspflichtigen aus: Als grobe Regel gilt hier, dass für ein Kind um die 15-17% des Nettoeinkommens berechnet werden, bei zwei Kindern 25-27%, für drei um die 34-36%. Entscheidend bei der Berechnung sind zudem die Anteile an der Betreuung des Kindes. Wenn Mutter und Vater die Kinder in etwa gleich viel betreuen, reduzieren sich die Beiträge.

Beim Unterhalt für (Ex-)Ehegatten ist die Situation weniger eindeutig: Einen automatischen Anspruch auf Unterhaltszahlungen des (Ex-)Ehepartners gibt es nicht. „Nur bei weniger als der Hälfte aller Scheidungen wird auch tatsächlich der sogenannte ,nacheheliche Unterhalt, zugesprochen“, sagt Scheidungsanwalt Rouven Brigger. Grundsätzlich gilt aber: Kann man für den eigenen Unterhalt nicht selbst aufkommen, hat man als „wirtschaftlich schwächere“ Seite – also beispielsweise wenn man als Frau die gemeinsamen Kinder betreut und nicht berufstätig ist – Anspruch auf Alimente. Dabei spielt – im Gegensatz zum alten Scheidungsrecht – keine Rolle, ob der Unterstützungsbedürftige „Schuld“ an der Trennung ist. Zwei statt bisher einen Haushalt zu führen, kostet allerdings um die 40 Prozent mehr, was sich nicht alle getrennten Paare leisten können. „Ob, wie viel und wie lange Unterhalt bezahlt werden muss, kommt deshalb immer auf die individuelle Situation beider Seiten an“, betont Rouven Brigger: „Der Unterhaltsbeitrag hängt einerseits vom Bedarf des Unterhaltsberechtigten ab, andererseits davon, wie viel der Unterhaltsverpflichtete tatsächlich zahlen kann.“

Beim Festlegen des Unterhalts für Ex-Ehepartner spielen unter anderem folgende, gesetzlich festgelegten (im Zivilgesetzbuch ZGB) Faktoren eine Rolle:

  • die Dauer der Ehe
  • die Aufgabenteilung während der Ehe
  • der Lebensstandard während der Ehe
  • das Alter und die Gesundheit der Eheleute
  • Einkommen und Vermögen der Eheleute
  • Wie viel und wie lange die Kinder noch betreut werden müssen
  • die berufliche Ausbildung und die Erwerbsaussichten der Eheleute sowie der mutmassliche Aufwand für die berufliche Eingliederung der anspruchsberechtigten Person

Über Kinderalimente entscheidet das Gericht

Nicht immer muss sowohl Unterhalt für Kinder wie auch Unterhalt für die Ex-Partnerin/ den Ex-Partner bezahlt werden. Es ist durchaus möglich, dass beispielsweise nur Kindesunterhalt gesprochen wird.

Bei der Festlegung der Unterhaltshöhe für den wirtschaftlich schwächeren (Ex-) Ehepartner ist ein Paar in Trennung/ Scheidung grundsätzlich sehr frei, solange dabei die Interessen der Kinder gewahrt sind. Das ist beim Unterhalt für Kinder anders. Bei allen Fragen, die Kinder betreffen, redet das Gericht  spätestens bei der Scheidung (die im Gegensatz zur Trennung immer zwingend übers Gericht laufen muss) mit. Über die Höhe der Kinderalimente entscheidet somit das Gericht.

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