Seit dem 1. Juli 2014 haben geschiedene Eltern neu automatisch das gemeinsame Sorgerecht. Das alleinige Sorgerecht wird nur noch ausgesprochen, wenn das Kindswohl gefährdet ist.

Bei einer Scheidung wurde bis Ende Juni 2014 das Sorgerecht in der Regel nur einem Elternteil, meist der Mutter zugewiesen. Die gemeinsame elterliche Sorge war nur möglich, wenn sowohl Mutter wie auch Vater damit einverstanden waren. War beispielsweise die Mutter dagegen, war kein gemeinsames Sorgerecht möglich. Seit dem 1. Juli 2014 wurde das Prinzip umgekehrt: Lässt sich ein Paar scheiden, gilt automatisch weiterhin das gemeinsame Sorgerecht. Nur wenn das Kindswohl gefährdet ist, wird die elterliche Sorge einem Elternteil alleine zugeteilt.

Änderung bei unverheirateten Eltern

Die Änderung betrifft auch unverheiratete Eltern. In der Vergangenheit war das gemeinsame Sorgerecht auch hier nur möglich, wenn die Mutter damit einverstanden war.Bei Konkubinatspaaren gilt auch heute nicht automatisch das gemeinsame Sorgerecht, sondern es muss bei der Geburt oder innherhalb eines Jahres beantragt werden: Unverheiratete Eltern müssen dazu bei der zuständigen Behörde eine entsprechende Erklärung abgeben (bei der Vaterschaftsanerkennung beim Zivilstandsamt oder später bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde). Bis eine Erklärung vorliegt, liegt das Sorgerecht bei der Mutter.

Neu ist, dass das gemeinsame Sorgerecht heute auch gegen den Willen der Mutter ausgesprochen werden kann. Der nicht sorgeberechtigte Elternteil kann bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) innerhalb eines Jahres einen Antrag auf das gemeinsame Sorgerecht stellen. Sofern das Kindswohl nicht gefährdet ist, wird die gemeinsame elterliche Sorge erteilt.

Übergangsrecht

Noch bis am 30. Juni 2015 können Elternteile ohne Sorgerecht im Rahmen des Übergangsrechts rückwirkend beim zuständigen Gericht die gemeinsame elterliche Sorge beantragen. Das gilt für Väter und Mütter, die nach dem 1. Juli 2009 geschieden wurden. Unverheiratete Elternteile ohne Sorgerecht können den Antrag innerhalb eines Jahres nach der Geburt des Kindes stellen. ♦