Häusliche Gewalt ist in der Schweiz leider noch immer ein verbreitetes Problem. Frauen werden am häufigsten innerhalb der eigenen vier Wände Opfer von Gewalt. Aber auch Männer können Opfer sein. Bei Trennungen und Scheidungen steigt oft die Gefahr, dass Konflikte eskalieren. Was Betroffene in dieser Situation tun können. 

Wenn Sie sich in einer akut gefährlichen Situation befinden, ist Ihre Sicherheit und die Ihrer Kinder das Wichtigste. Bringen Sie sich so schnell wie möglich in Sicherheit, beispielsweise bei Nachbarn, bei Freunden, bei Verwandten oder in einem Frauenhaus (es gibt in der Schweiz inzwischen auch spezialisierte Angebote für Männer, die Opfer von Gewalt wurden).

Rufen Sie die Polizei, wenn Sie bedroht werden. Bei häuslicher Gewalt kann sie den Täter aus der Wohnung weisen und beispielsweise ein Kontakt- oder Betretverbot gegen ihn aussprechen. Die Polizei hat ausserdem die Möglichkeit, gewalttätige Personen bis zu 24 Stunden (kantonal unterschiedlich geregelt) in Gewahrsam zu nehmen. So haben Sie Zeit, Schutzvorkehrungen zu treffen. Kostenlose und rasche  Hilfe bieten auch verschiedene spezialisierte Beratungsstellen, insbesondere Opferberatungsstellen.

Wichtig für Betroffene zu wissen ist, dass sie das Recht haben, ohne Einverständnis des Partners und ohne Vorankündigung aus der Wohnung auszuziehen. Auch mit den Kindern. Rechtsanwalt Rouven Brigger von der Kanzlei Gilomen & Brigger Rechtsanwälte, die Partnerin der Scheidungsagentur ist, betont: „Man darf den gemeinsamen Haushalt aufheben, wenn man sich vom Partner bedroht fühlt.“

Ab wann Hilfe suchen?

Häusliche Gewalt hat ganz unterschiedliche Gesichter und umfasst nicht nur physische Gewalt mit sichtbaren Verletzungen. Zur häuslichen Gewalt gehören auch subtilere Formen wie anhaltendes Einschüchtern, Drohen oder wenn Ihr Partner Ihre sozialen Kontakte stark kontrolliert und einschränkt oder Ihnen beispielsweise keinen Zugriff auf gemeinsames Geld gibt.

Spezialisierte Beratungsstellen bieten nicht erst Hilfe, wenn die Situation akut ist, sondern leisten auch bei latenten Bedrohungssituationen Unterstützung. Suchen Sie sich als Betroffene deshalb rechtzeitig Hilfe, am besten bevor es zu einer Eskalation kommt. Nicht nur bei physischer Gewalt, sondern auch bei allen anderen Formen. Ein wichtiger Schritt, um die Gewaltspirale zu unterbrechen, ist sich rechtzeitig Hilfe zu suchen.

Trennung juristisch sicher regeln

Drohungen, Einschüchterungen und Gewalt sollten nie ein Grund sein, in einer gewaltgeprägten Beziehung zu bleiben. Eine Scheidung ist zwar nicht in jedem Fall sofort möglich. Ist Ihr Ehepartner gegen eine Scheidung, können Sie sich erst nach zwei Jahren Trennungszeit scheiden lassen. Eine Trennung ist aber immer möglich, auch gegen den Willen des Partners. Auch wenn der Partner beispielsweise droht, bei einer Trennung keinen Unterhalt zu bezahlen oder die Kinder wegzunehmen; lassen Sie sich nicht einschüchtern. Es gibt in der Schweiz die Möglichkeit, die Trennung auch in solch schwierigen Situationen juristisch sicher zu regeln.

Ist Ihr Partner gewalttätig oder setzt Sie unter Druck, ist das sogenannte Eheschutzverfahren eine sinnvolle Lösung. Es handelt sich dabei um eine Trennung durch das Gericht, die Sie jederzeit und ohne Einverständnis des Partners fordern können. Das Verfahren ist relativ einfach und schnell. Im Eheschutzverfahren entscheidet das Gericht über alle Details der Trennung, beispielsweise die Höhe des Unterhalts, die Zuteilung der Wohnung, den Wohnsitz der Kinder, die Betreuungszeiten durch die Eltern usw.

Zum Schutz vor häuslicher Gewalt können im Eheschutzverfahren auch Sofortmassnahmen, sogenannte “superprovisorische Massnahmen” beantragt werden. Das Gericht trifft dann ohne vorherige Anhörung Schutzmassnahmen für das Opfer. Möglich ist beispielsweise, dass der Täter sofort aus der Wohnung gewiesen wird, dass er die Hausschlüssel abgeben muss, dass ein Zutritts-, Kontakt- oder Rayonverbot ausgesprochen wird usw.

Haben Sie Fragen? Die Scheidungsmanager der Scheidungsagentur beantworten Ihnen in einer kostenlosen telefonischen Erstberatung die wichtigsten Fragen rund um das Thema Trennung und Scheidung. Rufen Sie uns an: +41 44 558 93 63 (Montag bis Freitag 07.00 – 20.00 Uhr).

Die wichtigsten Notfallnummern in akuten Situationen:

  • 117  Polizei
  • 144  Sanitätsnotruf/Ambulanz
  • 143  Dargebotene Hand