Eine Ehe lässt sich nicht innerhalb weniger Tage scheiden. Für viele Paare ist eine gewisse Zeit des Getrenntlebens zudem wichtig, um sich klar zu werden, ob ihre Beziehung endgültig keine Chance mehr hat. Der normale Weg zur Scheidung führt deshalb in einem ersten Schritt fast immer über eine gewisse Zeit der Trennung. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen zum Thema Trennung.

Darf man sich einfach so trennen und aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen?

Wenn man heiratet, verpflichtet man sich grundsätzlich zum Zusammenleben. Seit Inkrafttreten des neuen Scheidungsrechts im Jahr 2000 darf ein Ehepartner aber aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen. Auch per sofort und ohne Bewilligung vom Gericht. Im Schweizerischen Zivilgesetzbuch ZGB ist dazu folgendes festgehalten: „Ein Ehegatte ist berechtigt, den gemeinsamen Haushalt für solange aufzuheben, als seine Persönlichkeit, seine wirtschaftliche Sicherheit oder das Wohl der Familie durch das Zusammenleben ernstlich gefährdet ist.“ Das bedeutet, dass ein Ehepartner nicht nur alleine, sondern auch mit den Kindern ausziehen darf, wenn das „Wohl der Kinder gefährdet ist“. Das muss nicht bedeuten, dass die Kinder in akuter Gefahr sind. Es reicht, wenn das Zusammenleben als Familie, beispielsweise durch Streitereien der Eltern, für die Kinder zur Belastung wird. Wenn kleine Kinder involviert sind, ist es empfehlenswert, die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) in den Trennungsprozess miteinzubeziehen.

Wie lange muss man getrennt leben, bevor man sich scheiden lassen kann?

Wie lange die Trennungszeit dauert, ist Ihnen überlassen. Es gibt diesbezüglich keine gesetzlichen Vorgaben. Wenn beide mit einer Scheidung einverstanden sind, können Sie sich auch sofort scheiden lassen. Wenn sich der Partner/ die Partnerin nicht scheiden lassen will, ist keine sofortige Scheidung möglich. Dann kann erst nach einer zweijährigen Trennungsfrist eine Scheidungsklage eingereicht werden. Wie lange die Trennungszeit auch dauert: Wenn Sie gemeinsame Kinder, Wohneigentum, sonstige komplizierte Vermögensstrukturen haben oder Konflikte bestehen, ist es ist wichtig, dass Sie die Phase, in der Sie getrennt leben, juristisch sicher regeln. Damit sichern Sie sich rechtlich ab.

Wie kann man eine Trennung juristisch sicher regeln?

Es gibt folgende Möglichkeiten eine Trennung zu regeln:

Die Details der Trennung werden in einer sogenannten Trennungskonvention festgehalten. Dieser Vertrag ist in der Regel nur bis zur rechtskräftigen Scheidung gültig. Bei der Scheidung wird die Trennungskonvention entweder durch ein gerichtliches Urteil oder durch eine gerichtlich genehmigte Scheidungskonvention ersetzt.

Was wird alles in einer Trennungskonvention geregelt?

In einer Trennungskonvention werden beispielsweise folgende Fragen geregelt:

  • Muss der Ehepartnerin/ dem Ehepartner Unterhalt bezahlt werden und wenn ja wie viel?
  • Wie hoch ist der Unterhalt für die Kinder?
  • Bei wem leben die Kinder?
  • Wie werden die Betreuungszeiten der Kinder geregelt? (Besuche/ Ferien etc.)
  • Wer bleibt in der gemeinsamen Wohnung?
  • Wer übernimmt welche Möbel, das Auto usw.?
  • usw.

Wieso braucht es für eine Trennung einen Anwalt?

Eheleute können eine Trennungskonvention, wenn sie sich in allen Punkten einig sind, theoretisch selbst ausarbeiten. Um eine Trennung für beide Seiten fair zu gestalten, braucht es aber meist juristisches Fachwissen. Vor allem wenn gemeinsame Kinder involviert sind. Wichtig zu wissen ist zudem, dass die Vereinbarungen, die Sie in der Trennungskonvention festhalten, Einfluss auf die Scheidung haben können:

  •  Berechnen Sie beispielsweise den Unterhalt falsch oder verzichten Sie trotz Anspruch ganz darauf, nimmt das Scheidungsgericht später unter Umständen an, dass Sie auf das Geld nicht angewiesen sind. Eine Korrektur ist dann schwierig.
  • Gibt es in der Trennungszeit plötzlich Streit, können Sie ohne eine juristisch sauber ausgearbeitete und vom Gericht genehmigte Vereinbarung beispielsweise nur via Gerichtsverfahren fordern, dass Sie Ihre Kinder häufiger sehen.
  • Dasselbe gilt beim Unterhalt: Bei einer privaten Trennungskonvention darf der Ehepartner Abmachungen einseitig künden.
  • Wenn Sie zum Zeitpunkt der Trennung pensioniert sind, erhalten Sie ohne gerichtlich genehmigte Konvention zusammen höchstens 150% einer AHV-Maximalrente (dies wird als Plafonierung bezeichnet). Mit einer gerichtlich genehmigten Konvention erhalten Sie beide je eine Einzelrente.
  • Auch Sozialhilfe und Unterhaltsbevorschussung erhalten Sie nur mit einer gerichtlich genehmigten Konvention.

Es ist deshalb sinnvoll, auch wenn sich die Eheleute in den meisten Punkte einig sind, die Trennungskonvention von einem Rechtsanwalt ausarbeiten und vom Gericht genehmigen zu lassen. Die gerichtliche Genehmigung ist in der Regel eine Formsache und rasch abgewickelt.

Was kann man tun, wenn sich der Partner nicht trennen will?

Eine Trennung ist jederzeit, auch gegen den Willen des Partners/ der Partnerin möglich. Will sich einer der beiden nicht trennen respektive scheiden lassen oder ist das Paar sehr stark zerstritten, ist es sinnvoll die Trennung übers Gericht zu regeln. Dieser Weg heisst „Eheschutzverfahren“. Es geht dabei nicht darum, die Ehe zu schützen, sondern um die Regelung des Getrenntlebens durch das Gericht. Weigert sich der Ex-Partner also beispielsweise, gemeinsam eine Trennungskonvention zu erarbeiten, ist das Eheschutzverfahren der richtige Weg. Jene Seite, die sich trennen will, kann beim Gericht ein Gesuch um Eheschutz und die Aufhebung des gemeinsamen Haushalts einreichen. Das Eheschutzgericht entscheidet somit über Unterhalt, die Zuteilung der Wohnung, den Wohnsitz der Kinder, die Betreuungszeiten der Kinder usw. Der vom Gericht erarbeitete Vertrag, der das Getrenntleben regelt, heisst Eheschutzkonvention. Er gilt bis zur Scheidung. Das Eheschutzverfahren ist einfach und in der Regel innerhalb von ein bis drei Monaten abgewickelt.

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