Das Parlament hat in der Frühlingssession 2015 entschieden, dass die geteilte Obhut auf gesetzlicher Ebene ein grösseres Gewicht erhalten soll. Bei einer Trennung oder Scheidung muss künftig explizit geprüft werden, ob eine alternierende Obhut möglich ist.

Seit der Gesetzesrevision 2014 teilen sich Mutter und Vater nach der Scheidung in der Regel das Sorgerecht für gemeinsame Kinder. Mit dem gemeinsamen Sorgerecht ist die Frage nach der Obhut, also beim wem das Kind mehrheitlich lebt, allerdings nicht automatisch geklärt.

In der Frühlingssession 2015 hat das Parlament nun entschieden, dass die sogenannte „alternierende Obhut“ im Gesetz künftig ein grösseres Gewicht erhalten soll. Bei der geteilten Obhut handelt es sich um ein Modell, bei dem Mutter und Vater einen ähnlich grossen Anteil an der Betreuung der gemeinsamen Kinder übernehmen. Es muss sich dabei nicht zwingend eine 50-50-Prozent-Aufteilung handeln.

Verschiedene Studien zeigen, dass Kinder zufriedener aufwachsen, wenn der Kontakt zu beiden Elternteilen nach der Scheidung weiterhin eng ist. Mit der alternierenden Obhut kann eine regelmässige persönliche Beziehung meist einfacher aufrechterhalten werden, als wenn ein Vater seine Kinder beispielsweise nur zwei Wochenenden pro Monat sieht.

Mit dem Entscheid des Parlaments wird die alternierende Obhut nun explizit ins Zivilgesetzbuch aufgenommen. Damit müssen die Gerichte beziehungsweise die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) bei einer Trennung/ Scheidung automatisch prüfen, ob eine alternierende Obhut möglich ist. Die neue Bestimmung schreibt den Gerichten nicht vor, einer alternierenden Obhut in jedem Fall zuzustimmen, sie müssen sie lediglich prüfen. Die Gerichte orientieren sich bei Ihren Entscheiden letztlich stets am Wohl des Kindes.