Das Bundesgericht hat in zwei neueren Entscheiden sinngemäss festgehalten, dass die alternierende Obhut der Eltern nach der Trennung die Regel sein soll.

Die alternierende Obhut muss gemäss Bundesgericht gewährt werden, wenn nicht konkrete Gründe dagegensprechen. Das Bundesgericht erhebt somit die alternierende Obhut faktisch zum Regelfall.

Es hängt jedoch von den konkreten Umständen ab, ob die alternierende Obhut überhaupt in Frage kommt und ob sie sich mit dem Kindeswohl verträgt. Das Gericht hat gestützt auf festgestellte Tatsachen der Gegenwart und der Vergangenheit eine sachverhaltsbasierte Prognose darüber zu stellen, ob die alternierende Obhut als Betreuungslösung aller Voraussicht nach dem Wohl des Kindes entspricht. Allgemeine kinderpsychologische Studien sind für den Obhutsentscheid nicht massgebend, zumal sich in der Kinderpsychologie ohnehin verschiedene Meinungen finden, die sich mehr oder weniger absolut für oder gegen das Betreuungsmodell der alternierenden Obhut aussprechen.

Insgesamt eröffnet die neue Bundesgerichtspraxis vorab den betreuungswilligen Männern die Möglichkeit, auf die alternierenden Obhut zu pochen, sofern nicht zwingende Gründe dagegen sprechen.

Quelle: Bundesgerichtsentscheide 5A_629/2019 und 5A_367/2020

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